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Schlagerband Papis Pumpels im Portrait im Südkurier

Auf der Rampe zum Erfolg

Wenn Papi zur Probe ruft, sind sie alle da. Sie sitzen auf abgewetzten Stühlen um einen runden Tisch aus schwarz lackiertem Holz, jeder eine Flasche Bier vor sich.

Mehr brauchen die neun Stockacher Musiker nicht, sie warten auf Papi. Papi heißt im richtigen Leben Rainer Vollmer und verspätet sich an diesem Abend, an dem er mit seinen „Pumpels“ Schlager wie „Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara“ proben will. Sein Sohn hat eine Zecke, muss ins Krankenhaus gebracht werden. Da springt Vollmer in seiner richtigen Funktion als Papi ein.

Papis Pumpels proben in einem Raum in der Stockacher Industriestraße, den Boden ziert ein beigefarbenes PVC-Muster, die Wände ein schmutziges Grün. Unter dem grellen Licht alter Leuchtstoffröhren proben sie Schlager wie „Himbeereis zum Frühstück“ . Papi Vollmer zelebriert die Probe, spielt mit seinen Musikern, als er den Himbeereis-Text anstimmt: „Du und ich wir waren hoffnungslos verrückt.“

Wenn die Pumpels Auftritte haben, und das kommt derzeit häufig vor, dann bugsieren sie Orgel, Schlagzeug, Gitarren, Saxophon, Posaune und Trompete an die Rampe, die an das Industriegebäude angeschlossen ist, laden die Instrumente auf und machen sich auf den Weg Richtung Bühne. Die Bühne, das ist ihre große Leidenschaft. Die neun Männer, der jüngste 20, der älteste 47, drehen auf der Bühne richtig auf, schmettern Schlager – und das Publikum schmettert mit. Sie sind sich alle einig: „Wenn wir auf der Bühne stehen und das Publikum singt begeistert mit, tanzt, ist froh, dann beschert uns das eine richtige Gänsehaut.

“ Nicht nur in Stockach und Umgebung, in ganz Baden-Württemberg haben sich Papis Pumpels, die es als Schlagerband seit knapp drei Jahren gibt, einen Namen gemacht: „Wir waren auf der SWR-Schlagerparty in Müllheim, haben beim Rheinland-Pfalz-Tag in Neustadt gesungen, in Friedrichshafen, Markdorf, Konstanz und natürlich auf dem Schweizer Feiertag in Stockach“, sagt Papi Rainer Vollmer.

In Stockach, da hat alles seinen Anfang genommen. „Wenn man in Stockach Musik macht, dann kennt man sich zwangsläufig“, sagt Bassist Thomas Biberle. Den Bandnamen hat Vollmers Sohn Janis kreiert. „Wir saßen am Abend zusammen, dann kam Janis und wollte von seiner Mama wissen, wer die Männer im Wohnzimmer sind“, erklärt Vollmer. Sie habe dann zu Janis gesagt, dass das Papis Kumpels seien. Am nächsten Tag sei sein damals vierjähriger Sohnemann gekommen und habe gefragt: „Wo sind denn heute Papis Pumpels?“

Ihr Erfolgsrezept, das sei ganz einfach: „Die Leute können sich mit uns identifizieren, wir sind nicht perfekt und haben keine Starallüren“, sagt Papi Vollmer. „Wir haben einfach Spaß, den man uns ansieht, wir sind natürlich und zum Anfassen. “ Mario Knaus, bei den Pumpels besser bekannt als „Der Maraijo“ und Meister an der Trompete, erzählt mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht: „Ich bin vor kurzem beim Einkaufen erkannt worden.“ Bandkollege Thomas Drews, Kosename „Toni Deluxe“, hat sogar schon Liebesbriefe bekommen. Inzwischen hat sich eine richtige Fangemeinde gebildet, die zu allen Auftritten der Pumpels mitfährt. Im sozialen Netzwerk Facebook haben die Musiker über 1000 Fans. „Facebook ist für uns wichtig, dort tauschen die Fans Fotos aus, organisieren Fahrgemeinschaften zu unseren Auftritten“, sagt Michael Keller, den die Pumpels „magischer Michael“ nennen. Dass es Merchandising-Artikel wie ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Pumpel misch“ gebe, sei der Initiative ihrer Anhänger zu verdanken. „Wir selbst wären nicht auf die Idee gekommen, so etwas wie Fanartikel zu entwerfen,“ sagt Rainer Steinmann, den alle nur „Paco“ nennen.

Er ist mit 47 Jahren das älteste Bandmitglied, Gitarrist mit Leib und Seele. Mit Dieter-Thomas Kuhn ist er befreundet, auch er kommt wie der große deutsche Schlagerkönig aus Tübingen. Die Pumpels sehen Kuhn als Vorbild, nicht als Konkurrenten. „Thomas hat mehr eine Gala-Band, bei uns geht der Punk ab“, sagt Paco. An Selbstbewusstsein fehlt es den Stockacher Musikern dabei nicht: „Im nächsten Jahr steht ‚pumpeln' auch im Duden“, sagen sie schmunzelnd, als sie am Ende der Bandprobe noch zusammensitzen.

Susanne Gilg, SÜDKURIER
Erschienen am 07. Juli 2010 in der SÜDKURIER-Gesamtausgabe


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